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Hostal Marisol – Zuhause in Chile

Für die Dauer meines Chile-Aufenthalts von etwa 2 Monaten wollte ich sehr gerne in einer Familie wohnen, um mehr von der Alltagskultur des Landes mitzubekommen, und auch um täglich Spanisch zu üben. Nun habe ich mit der Familie Salinas in Valparaíso, die mir die Agentur ChileInside vermittelte, ausgesprochenes Glück. Vom ersten Tag an wurde ich herzlich willkommen geheißen , und alle geben mir hier das Gefühl, dass ich ganz selbstverständlich zur Familie gehöre, obwohl ich als Rentner hier schon eine Ausnahme bin. Eigentlich betreibt die Familie ein Hostal, das aber nicht anonym als Gästehaus geführt wird, sondern wie eine Großfamilie in einem Mehrgenerationenhaus. Außer den Gastgebern, Marisol und ihrem Mann Mario wohnen noch die erwachsene Tochter und der studierende Sohn sowie die Großmutter im Haus, Ach ja,  zwei ruhige Katzen und der kleine verspielte junge Hund gehören auch noch dazu. Dann kommen als weitere Mitbewohner derzeit noch 8 StudentenInnen hinzu, die in den zwei geräumigen Gebäuden bequem Platz finden. In den Semesterferien waren nur die 3 amerikanischen Austauschstudentinnen da, während die Chilenen bei ihren Eltern …

Container-Hotel

Als ich das erste Mal in der wilden Natur der Westfjorde auf Island eine Hotelanlage aus Containern sah, war ich etwas irritiert, wenn nicht gar schockiert. Wie kann man diese Allerweltstransportkisten nur in diese phantastische Landschaft stellen? Es war eine lieblose Aneinanderreihung von weißen Baucontainern – ohne besondere gestalterische Elemente, rein funktional in die Landschaft platziert. Bei weiterer Überlegung fand ich diese Idee gar nicht schlecht und nach der intensiveren Beschäftigung mit Containerbauten – einem weltweiten Trend innovativer Architekten und Bauherren – fasziniert mich die Idee, die industriell gefertigten, weltweit eingesetzten, stabilen und genormten Container für (Wohn-)bauten zu nutzen. Während meines Aufenthalts in Valparaíso/Chile entdecke ich hier auf dem Cerro Mariposa gleich in der Nachbarschaft nun ein solches Containerhotel-Bauprojekt. Mein erster Eindruck ist recht positiv. Hier, wo der Containerhafen die Stadt mit prägt, ist dieses Projekr hier wohl doch am richtigen Platz. Zudem wird diese Region öfters von Erdbeben heimgesucht. Auch aus diesem Grund machen stabile Container als Bauelemente Sinn. Ein aus Neuseeland stammender und in Chile recht erfolgreicher Weinbauer hat die Idee mit dem …

Wandern in den Anden

Nachdem ich vom Gipfel des Campana in den Küstenkordilleren einen Blick auf die faszinierende Andenkette werfen konnte, wollte ich nun  auch unbedingt die Anden besuchen. Sie sind von meinem Aufenthaltsort in Valparaíso ja näher als die Alpen von Stuttgart aus. So habe ich für ein paar Tage im Rifugio Lo Valdés des Club Andino Alemán ein Zimmer gebucht und von dort ausgedehnte Wanderungen in die Seitentäler des Cajón de Maipo unternommen. Eine gute Adresse für Andentourn unweit Santiagos. Am ersten Tag entspanntes Gehen von den heißen Quellen in dem kleinen Weiler Baño Morales hinauf ins Hochtal El Morado, ein Naturdenkmal, das von Conaf, der Organisarion für alle National- und Naturparks Chiles, verwaltet wird. Ein buntes Meer von Blüten unterschiedlichster Farben schmückte die Hänge links und rechts des Weges, und bevor ich weiter bis zum Gletscher San Francisco am Talschluss gehen konnte, erwartete mich ein Entenpaar auf der kleinen Laguna Morales. Hier hielt ich Rast, und in Erwartung einiger Brotkrumen kamen die kleinen Vögel immer näher. Was für eine Idylle – außer mir nur noch drei …

Pablo Neruda – Casas y Cosas

„La Sebastiana“ hoch oben auf dem Cerro Bellavista in Valparaíso, „La Isla Negra“- das Haus am Meer, und „La Chascona“ – sein Domizil in der Hauptstadt Santiago de Chile, -die Privathäuser oder besser Anwesen Pablo Nerudas sind heute Museen und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die von der Stiftung Pablo Neruda verwalteten Museen sind beliebte Touristenziele, nicht nur für Literaturliebhaber. Es sind weniger die vor allem in „La Chascona“ ausgestellten Exponate vom literarischen Schaffen des Nobelpreisträgers, die den Reiz eines Besuchs ausmachen, als vielmehr die Gestaltung und Einrichtung der Häuser als Gesamtkunstwerke. Alle Räume sind sehr individuell konstruiert, ja in gewisser Weise geradezu komponiert und mit feinen, seltenen Sammlerstücken aus der ganzen Welt bestückt. Spuren seines Lebens, von der Kindheit und Jugend auf dem Land, von seinen Auslandsstationen im diplomatischen Dienst Chiles, den Freundschaften mit Künstlern aus aller Welt und den Beziehungen zu seinen Frauen. Die ganze Persönlichkeit des Poeten kommt in diesen Räumen zum Ausdruck – verspielt, und das Kind im Manne bewahrt bis ins Alter. Dann die phantastischen Lagen der Anwesen: „La Sebastiana“ – …

Der Berg ruft – La Campana

Die Bergwanderung auf Darwins Spuren im Nationalpark La Campana in der Region Valparaiso hat mir sehr gut gefallen. Schade nur, dass es an diesem Tag nicht ganz hinauf auf den Berg gelangt hat. Die Aussicht wird doch so gepriesen. Gestern bin ich nun ganz früh aufgestanden, um bis auf den Gipfel des Campana zu steigen. Von 400m auf 1880m und wieder runter war für mich doch ganz schön anstrengend – puuh. Mit Pausen habe ich dazu insgesamt fast 9 Stunden gebraucht. Oben angekommen, war dann die Fernsicht doch nicht mehr so gut, da inzwischen Wolken aufgezogen sind. Aber immerhin war die Andenkette am Horizont schemenhaft noch zu erkennen. Insegeamt war es wieder eine ganz tolle Tour und dazu noch mit recht exotischer Flora.

Bürger beteiligen – ganz einfach!

Auf dem zentralen Plaza Victoria in Valparaiso/Chile steht ein Stand mit Sonnendach – darunter auf einem großen Tisch ein aus Wellpappe geformtes, maßstabsgetreues Stadtmodell von Valparaiso – Pladeco Valparaiso 2016 – 2012 Was Pladeco ist, wird auch gleich auf einem Plakat erklärt. Es geht um den Stadtenwicklungsplan für die nächsten 8 Jahre. Mit dieser Aktion sollen die Bürger, und vor allem auch Studenten und junge Leute die Gelegenheit bekommen, die Probleme in ihrer Stadt zu benennen und ihre Meinungen und Träume zur Stadtenwicklung zum Ausdruck  bringen. Es liegen farbige kleine Markierungsstreifen, Stifte und Stecknadeln bereit. Die Farben stehen für 6 verschieden Themenbereiche: (Öffentlicher)Nahverkehr, Stadtentwicklung. Umwelt, Sicherheit, Infrastruktur und öffentlicher Raum, Sport, Kultur und Weltkulturerbe, Dienstleistungen. Das Thema, das angegangen werden soll, kann auf dem  Merkierungsstreifen noch stichwortartig mit einer Frage, dem Prroblem konkretisiert werden, um es dann genau dort auf dem Stadtmodell anzupinnen, wo das Problem lokalisiert wird. An einem separaten Tisch Blätter zum Erläutern oder Ergänzen der Meinungen oder Anregungen. In der kurzen Zeit meiner Anwesenheit registriere ich, dass sich die Leute gerne einbringen …

Jazz open air

Alle Stuhlreihen und auch die kleine Tribüne sind bereits bis auf den letzten Platz gefüllt, ein freundliches Paar rutscht aber noch etwas enger aneinander, so dass auch ich noch einen Sitzplatz erwische. Die Musiker kommen auf die Bühne und schon geht es mit groovigen Sound los. Ein wahres musikalisches Feuerwerk bietet gleich zum Start die Bigband der Universiadad Playa Ancha. Während im mondänen Viña del Mar das internatinal besetzte Musiksfestival als großes Spektakel in den Medien gefeiert wird, findet nur ein paar Kilometer weiter in der Nachbarstadt Quilpué das Jazzfestival zu Ehren des bekannten chilenischen Jazzmusikers Eugenio Rengifo statt – und dass auch noch bei freiem Eintritt. Auf dem öffentlichen Platz, der inzwischen den Namen des Jazztrompeters und ehemaligen Ratsherrn der Stadt trägt, wurde in diesem Jahr nun schon zum vierten Mal das Beste auf die Bühne gebracht, was die chilenische Jazzszene zu bieten hat, u.a. Francesca Ancarola, Roberto Lecaros, Bruno Riveros, die Big Band der Universität Playa Ancha, Tryo, Jorge Campos,… Diese Musiker sind mir zwar alle unbekannt, aber dennoch wollte ich mir das …

Das Leben auf der Straße

Als ich im letzten November in Madrid war, wohnte ich am zentral gelegenen Plaza Empajadores. Erstaunlich für mich war, wie sichtbar und scheinbar ganz normal doch Obdachlosigkeit hier heute wieder ist. Am Abend breiten die Obdachlosen ihre Pappkartons als Schlafstatt in Hauseingängen, am Straßenrand oder in Parks aus, verbringen so die Nacht, um am Morgen ihre wenigen Habseligkeiten wieder zusammen zu raffen und sich irgendwo in der Stadt ein paar Euros für das Essen zu verdienen. Menschen ohne Wohnung gibt es auch im wohlhabenden Deutschland. Wie viele dies sind, wissen wir nicht. Es gibt keine bundesweite Datenerhebung. Das ist schon erstaunlich, wo heute doch fast alles statistisch erfassst wird. Nur einige Bundesländer erheben die Zahlen der Wohnungslosen, u.a. Baden-Württemberg. Nach einer aktuellen Studie des Sozialministeriums Baden-Württembergs gibt es auch hier immer mehr Wohnungslose. Die Ursachen sind sehr komplex, aber die Schere zwischen Armen und Reichen geht weiter auseinander in der globalisierten Welt. Nun bin ich in der chilenischen Hafenstadt Valparaiso und leiste in einer Obdachloseneinrichtung von Hogar de Cristo, dem größten Soialwerk Chiles, ein wenig …