Alle Artikel mit dem Schlagwort: Madrid

Träume – Grete Stern

Vor dem Gebäude eine lange Schlange gut gelaunter Menschen. Die Touristen stehen hier an, weil sie den phantastischen Blick vom Dach des Circulo de Bellas Artes mitten in Madrid suchen und lassen sich mit dem Fahrstuhl direkt hinauf auf die Dachterrasse mit Bar und Lounge bringen. Unter der Woche am Vormittag konnte ich ohne Schlangenstehen eintreten und ungestört den Blick weit über die Dächer der Stadt schweifen lassen und in Ruhe auch einen Blick in die aktuellen Ausstellungen de Circulo de Bellas Artes werfen, das für seine guten „esposiciones“ und „espectáculos“ bekannt ist. Bis zum 30. Januar 2016 kann man dort noch die Serie „Sueños“ (Träume) von der aus Deutschland stammenden und vom Bauhaus geprägten Fotografin Grete Stern bewundern. Die erste künstlerische Ausbildung erhielt Grete Stern von 1923 bis 1925 in der Kunstgewerbeschule Stuttgart. Danach ging sie für kurze Zeit zurück in ihre Heimatstadt Wuppertal, um schließlich ins damals wie heute künstlerisch boomende Berlin zu ziehen und sich dort von dem späteren Bauhauslehrer Walter Peterhans fotografisch schulen zu lassen. Bekannt wurde sie in der Weimarer …

El mundo del libros

„Leer bien para vivir mejor“   Barrio de las letras Das alte Stadtviertel der Dichter und Denker wird jeder Madridbesucher kennen lernen. Hier befinden sich mit dem Nationalmuseum Prado und dem Museum Thyssen-Bornemisza einige der bedeutendsten Kunst-und Kulturtempel der Stadt. Madrid war und ist ein Zentrum der spanischen Kunst und Literatur und ein Mekka für Bücherfreunde. Überall stößt man hier auf Bücher. Selbst an einem Zeitungskiosk sehe ich Goethe und andere Klassikerausgaen neben alltäglichen Zeitschriften im Angebot. Librerias In kleinen Cafés gibt es Büchertische oder -regale, und einige Buchhandlungen betreiben in ihrem Laden einen Bistro. Dabei ist der Cafébetrieb oft nicht einmal von den Bücherwelten getrennt, wie man es von den großen Bücherkaufhäusern kennt. Die Bistrotische stehen da direkt bei den Büchern. Alles rechtt unkompliziert – muy relajado! Da bleibt es für mich als „Bücherwurm“ gar nicht aus, dass ich das eine oder andere Buch in die Hand nehme und zu Schmökern beginne. Dabei bin ich erstaunt, dass ich doch schon eine ganze Menge verstehe, obwohl ich mich immer noch als Spanisch Sprachanfänger sehe und …

Ein Tag in Toledo

Wenn man länger als ein paar Tage in Madrid verweilt, sollte ein Tagesausflug nach Toledo auch nicht fehlen. Toledo ist von Madrid mit dem Zug in 30 min. und und mit dem Bus zum halben Preis (10 Euro) in einer knappen Stunde gut zu erreichen. Die alte Hauptstadt Spaniens und heutige Hauptstadt der autonomen Region Kastilien-de la Mancha wartet mit ihrer mächtigen Kathedrale, den engen verwinkelten Gassen, schönen kleinen Plazas, historischen Klostermauern, Kirchen, und unzähligen weiteren Baudenkmälern und Museen auf, und bietet darüber hinaus auch noch herrliche Panoramablicke in das Umland. Den besten Blick auf die Stadt und die Region hat man von der Cafeteria der Biblioteca Regional im 9. Stock des gewaltigen Alcazar. Mir hat Toledo sehr gut gefallen, auch wenn das steile Auf und Ab auf hartem Pflaster doch recht ermüdend ist. Dass Toledo als Weltkulturerbe natürlich auch viele Touristen anzieht, ist klar. Aber jetzt im November hält es sich doch etwas in Grenzen. An einigen, etwas abseits gelegenen, aber nicht weniger interessanten Plätzen, konnte ich sogar fast allein die Sehenswürdigkeiten betrachten. Besonders …

Jazz, Jazz, Jazz

Eben habe ich mir in Stuttgart noch die aktuelle Ausstellung im Kunstmuseum angeschaut, da treffe ich heute im Circulo Bellas Artes in Madrid wieder auf Jazz. Man kann Stuttgart und Madrid nur gratulieren. „I got rhythm“ im Kunstmuseum Stuttgart und „Ahora Jazz“ im Circulo Bellas Artes Madrid sind faszinierende Bilder-Schauen, die den Rhythmus der Musik spüren lassen und richtig Lust auf Jazz machen. Die Stuttgarter Ausstellung gibt einen tollen Einblick in die Geschichte des Jazz. Insbesondere die frühe Rezeption in Deutschland in den sogenannten goldenen 20ger Jahren wird in den gezeigten Bildern lebendig. Die Stimmung des neuen Musikstils drückt sich in der Formen und Farbenvielfalt der Gemälde aus. Viele Maler dieser Zeit, wie Otto Dix und seine Weggefährten waren begeistert vom Jazz. Im Nazideutschland wurde dann die neue Musik als „Negermusik“ diffamiert und mit der modernen Malerei als entartete Kunst verboten. Die Wiederbelebung in der Nachkriegszeit hatte vielfach weiter mit Vorurteilen zu kämpfen, eroberte sich aber dann doch wieder ihren Platz in neu gegründeten Jazzclubs und Ateliers der 50ger und 60ger Jahre. Der neue gegründete …

Keine Gewalt gegen Frauen

Bei meinem Aufenthalt in Madrid bin ich heute Zeuge einer beeindruckenden Großdemonstration geworden und habe mich spontan dem bunten Protestzug angeschlossen. Tausende von DemonstrantInnen traten am 7. November in ganz Spanien mit großen Protestmärschen gegen jede Art häuslicher Gewalt ein. An der größten Demonstration in Madrid beteiligten sich über 20 000 Menschen aus allen Landesteilen. In Spanien hat sich die Gewalt an Frauen im Zuge der Wirtschaftskrise weiter verschärft, da die wirtschaftliche Abhängigkeit in den Familien die Trennung vom gewalttätigen Partner für viele Frauen noch schwerer macht. Allein in diesem Jahr sind in Spanien bereits über 50 Todesfälle häuslicher Gewalt zu beklagen. Und obwohl bereits seit einigen Jahren ein besonderes Gesetz verlangt, dass die Strafverfolgung bei häuslicher Gewalt strenger gehandhabt werden muss, konnte die Gewalt gegen Frauen nur schwer eingedämmt werden. Mit unzähligen spanischen Organisationen, Gruppierungen und Parteien jedweder Couleur riefen auch die Bürgermeisterinnen von Madrid, Manuela Carmena und ihre Kollegin Ada Calau aus Barcelona zu dem landesweitem Protest auf. Sie alle setzen sich für eine Kultur des gewaltfreien Zusammenlebens der Geschlechter ein und fordern …