Alle Artikel mit dem Schlagwort: Sebastião Salgado

Salgados „Genesis“-Fotos neu lesen

Im Frühjahr haben mich die „Genesis“ Fotos von Sebastião Salgado im c/o Berlin tief beeindruckt. Leider habe ich bei aller Begeisterung für Salgado die zur gleichen Zeit im c/o stattfindende Ausstellung „Distanz und Begehren – Begegnung mit dem afrikanischen Archiv“ nicht besucht. Diese sollte als Gegenüberstellung zur Salgados Ausstellung einen politischen Dialog herstellen: Hier spektakuläre zeitgenössische Fotos des weltberühmten brasilianischen Fotografen, dort eine Auseinandersetzung mit dem fotografischen Erbe des Kolonialismus in Afrika – historische Aufnahmen aus der Zeit zwischen 1870 und der Frühzeit des 20. Jahrhunderts, kontrastiert mit aktuellen Fotografien zeitgenössischer Künstler aus Afrika – kuratiert von Tamar Garb. Die britische Kunsthistorikerin Tamar Garb äussert sich in einem Interview über die heutige Bedeutung kolonialer Bilderwelten kritisch über Salgados Genesis Projekt: Ich würde sagen, dass Salgados Blick einer sehr romantischen Vision folgt, die den Glauben an das Schöne und Erhabene der Natur fördert. Da findet sich ein Hauch von Ruhm und der majestätischen Wirkung, die der Natur im 19. Jahrhundert zugeschrieben wurde, auch wenn Salgado nicht der Erste ist der diese Sicht der Natur verkündet. In …

Mensch, was machst du?

Einen Kurzaufenthalt in der Spreemetropole konnte ich heute mit dem Besuch der Fotoausstellung Genesis von Sebastião Salgado bei c/o Berlin verbinden. Den Rundgang durch die großartige Bilderschau – ganz in Schwarz/Weiß – im alten Amerikahaus beginne ich bei Aufnahmen aus dem südlichen Teil unserer Erde. Ich bewundere phantastische Fotos kolossaler Eisberge in der Antarktis, wild aus dem Nebel ragende, bizarre Felsformationen des Cerro Torre in Patagonien, mit unzähligen Seevögeln bevölkerte Felsen der einsamen Falklandinseln, bildformatfüllend die majestätischen Schwanzflossen der Wale im Südatlantik, ganz nah aufgenommen, ein balzendes Paar der seltenen Wanderalbatrosse in Südgeorgien, …. So tauche ich ein in die Naturwelten fernab jeglicher Zivilisation, reise mit den Fotos um den Globus und bin buchstäblich hin und weg. „Es bleibt einem die Luft weg und Demut kehrt ein“, so hat ein anderer Besucher der Ausstellung seine Empfindung formuliert. Plötzlich schaue ich in das große Auge einer Riesenschildkröte. – „Mensch, was machst du hier?“, scheint mir dieser etwas skeptische Blick von der Seite auszudrücken. Das seit Hunderten von Jahren auf der Galapagos-Insel lebende archaisch wirkende Riesenpanzertier läge …

Das Salz der Erde

Im kleinen Kinosaal ist es ganz still, während der Film anläuft. – Man hört zu Beginn nur die Stimme Wim Wenders, des Regisseurs. Er berichtet, wie er vor langer Zeit zwei Fotos Sebastião Salgados gekauft hatte. Das eine Foto zeigt den unglaublich harten Arbeitsalltag in einer brasilianischen Goldmine, das andere Bild das Porträt einer blinden Tuareg. Sie hängen seit Jahren über seinem Schreibtisch und faszinieren ihn immer noch. Irgendwann hatte er den Wunsch, diesen Fotografen kennen zu lernen und später auch einen Film über ihn zu drehen. Sebastião Salgado ist eine beeindruckende Persönlichkeit mit einer faszinierenden Lebensgeschichte. Der Brasilianer war in jüngeren Jahren erfolgreich als Ökonom unterwegs, bis er mit der Kamera seiner Frau die Fotografie für sich entdeckte und

Sebastião Salgado – Exodus

Bilder von Menschen auf der Flucht sehen wir derzeit jeden Tag in den Medien. Das Flüchtlingselend in Afrika, in der Ukraine, in Syrien, im Irak, an der Grenze zwischen Mexiko und den USA, auf dem Mittelmeer – Flucht und Vertreibung überall und immerfort. Der bekannte Fotograf Sebastião Salgado ging mit seiner Kamera im Rahmen seines Projekts Exodus vor gut 20 Jahren schon zu den Flüchtlingsbrennpunkten der damaligen Zeit. Seine Fotografien, die bereits an vielen Orten gezeigt wurden, sind jetzt im Focke-Museum in Bremen zu sehen. Sie sind leider immer noch hochaktuell. Mir war schon klar, auf was ich mich beim Besuch der Ausstellung einstellen musste, und doch war ich nach dem Betrachten der Aufnahmen sehr betroffen und zunächst ganz sprachlos über das Elend der Menschen. Anders als bei den bewegten Bilder im Fernsehen schaut der Betrachter den Menschen auf den Fotos hier oft direkt in die Augen. Als ich in der Ausstellung die schockierenden Bilder von