Alle Artikel mit dem Schlagwort: Stuttgart 21

Eidechsen im Kessel

In unseren Großstädten kann man heute Tierarten entdecken, die dort kaum vermutet werden. Auch im Stuttgarter Kessel mit der Nähe zum Wald und den vielen grünen Inseln siedeln trotz Feinstaub und anderer Belastungen allerlei bedrohte Tierarten mitten in der City. Einige, wie der Juchtenkäfer in den Unteren Anlagen nahe des Bahnhofs haben bei den Auseinandersetzungen um das in der Stadt hochstrittige Bahnbauvorhaben Stuttgart 21 traurige Berühmtheit erlangt. Weniger bekannt, jedoch ebenso gefährdet sind die Lebensräume der auch auf der Roten Liste bedrohter Tiere stehenden Mauereidechsen. An der Zeppelinstraße gleich hinter dem Hölderlinplatz beobachte ich auf den kleinen Staffeln am Hang immer mit großer Freude die kleinen flinken Reptilien. Auf den Platten und Mauern dort finden sie ausreichend Wärme, Nahrung und Unterschlupf. Die Mauereidechsen leben im Stuttgarter Westen entlang der Gäubahntrasse bis hinauf auf den Birkenkopf, auch im Travertin-Park unweit der Wilhelma, und weiter im Neckartal bis nach Obertürkheim. Für die Bahntrasse nach Ulm wurde im vergangenen Jahr zwar der Planfeststellungsbeschluss verändert und um Natur-und Artenschutzmaßnahmen zum Erhalt der am Neckar siedelnden Eidechsenpopulationen ergänzt. Aber ob …

Gute Aussicht in Stuttgart

Unsere lieben Freunde aus Wien waren bei ihrem Kurzbesuch in Stuttgart von den vielen tollen Aussichtspunkten der Stadt sehr angetan. In den wenigen Besuchstagen konnten wir leider nur einen kleinen Teil der zahlreichen Orte aufsuchen, die einen schönen Blick auf Stadt und Umgebung bieten. Für die erste Orientierung mitten in der City wählten wir zunächst die Plattform des Bahnhofsturms. Von dort kann man einerseits die Stadt ganz gut überblicken, andererseits werden von hier auch die Dimensionen der Wunden deutlich, die der Stadt durch das Bahnprojekt Stuttgart 21 zugefügt werden. Mit Blick auf die vielen Menschen und dem quirligen Treiben zu unseren Füßen erscheint mir das Bauvorhaben wie eine Operation am offenen Herzen, – ein in Anbetracht der enormen Risiken von Stuttgart 21 nicht unangebrachter Vergleich. Anschließend sind wir

Stuttgart 11 und 21

Aus dem Nachlass meiner Tante habe ich dieses Mal eine alte farbige Postkarte mit Blick auf die Stadt Stuttgart herausgefischt, datiert vom 14.7.1911. Sie wurde im Verlag von Gustav Haufler herausgegeben, den man in Stuttgart heute nicht mehr als Verlag, aber als erste Adresse für Bürobedarf am Stuttgarter Marktplatz noch kennt. Der Ansichtskartenmaler Franz Schmidt hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts vom nördlichen Rand des Bopsers diesen schönen Blick auf die Stadt. Die Innenstadt wies noch das alte Stadtbild auf, das 40 Jahre später den Bomben zum Opfer gefallen ist. Später riss der ausufernde Autoverkehr neue Wunden und heute müssen wir ertragen, dass gigantische Bauvorhaben für Stuttgart 21 und unnötige Konsumtempel die Innenstadt weiter zerstören. Stuttgart galt immer als Stadt zwischen Wald und Reben. Hoffen wir, dass das wertvolle Grün an den einmaligen und für die Stadt so typischen Hängen nicht auch noch verschwinden muss. Wer es mag, durch die Weinberge, Wälder und Parks von Stuttgart zu wandern, findet hier eine Menge Anregungen.

Leben in der Stadt und die Kunst, zu Hause zu sein

Ich bin ein Stadtmensch. Mein ganzes Leben habe ich in Städten verbracht. Auch jetzt im Ruhestand zieht es mich immer noch nicht hinaus aufs Land. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt heute in Städten. Der Trend zum Leben in der Stadt hält weltweit weiter an. Auch in Deutschland kehren die Menschen wieder in die Städte zurück, nach jahrelangem Trend raus ins Umland. Warum bleibe ich in der Stadt, wo doch

Protest ART

Der Protest lebt weiter, auch wenn Stephane Hessel, der große alte Mann des kleinen Kultbüchleins der neuen Protestbewegungen „Empört Euch“ vor kurzem im hohen Alter verstorben ist. Der friedliche Widerstand unserer schwäbischer Mitbürger gegen das überdimensionierte und mit unkalkulierbaren Risiken behaftete Großprojekt Stuttgart 21 hat Mut gemacht, weiter und wieder aufzustehen, wenn es notwendig ist. Die Occupy- Bewegung organisiert ihren Protest gegen Finanzspekulation und den Terror der Finanzwelt weltweit in Protestcamps vor den zentralen Finanzplätzen der Welt. In den arabischen Ländern Nordafrikas haben sich die lokalen Proteste einiger Weniger zu einem Flächenbrand ausgeweitet und schließlich die alten Systeme ins Wanken gebracht. In der Türkei erleben wir gerade auch, wie sich der Protest an einem Ort entzündet, die Bürger damit aber ihre Unzufriedenheit über eine erstarrte und selbstherrliche Politik der Regierung zum Ausdruck bringen. Und in Brasilien hat ein kleiner Funken ausgereicht, dass die Menschen in mehreren Städten gegen Großprojekte der Regierung protestieren und für die Verbesserung ihrer Lebenslagen eintreten. Wie kreativ und wirksam gewaltfreie Formen des Widerstands als hohe „Kunst des Demonstrierens“ gegen Gewalt autoritärer …

Fritz Kuhn Oberbürgermeister in Stuttgart

Am Montagabend hat der erfahrene Landes- und Bundespolitiker der Grünen, Fritz Kuhn, das anspruchsvolle Amt in der Landeshauptstadt übernommen. Die Oberbürgermeister Klett, Rommel, Schuster habe ich alle erlebt. Fritz Kuhn ist der erste, der meine Stimme bekommen hat. So habe ich es mir mit vielen Mitbürgerinnen und Mitbürgern nicht nehmen lassen, unser neues Stadtoberhaupt vor dem Rathaus herzlich und lautstark willkommen zu heißen. Klar, dass sich die zentralen Wünsche an den neuen Mann auf die Heilung der bitteren Wunde in der Seele unserer Stadt richten und Hunderte ihm mit auf den Weg geben – „Oben bleiben“! Sicher kann der OB bei dem streng inszenierten Protokoll seiner Amtseinführung vor geladenen Gästen kaum den Saal verlassen und spontan zu seinen Bürgern sprechen. Dennoch habe ich ab und an hinauf geschaut zu dem durch Blitzlichtgewitter immer wieder hell erstrahlten Sitzungssaal und mir vorgestellt, dass Fritz Kuhn die Konventionen durchbricht und plötzlich ans Fenster oder auf den Balkon tritt…. Na gut, das geht wohl nicht! Umso schöner ist es heute in der Stuttgarter Zeitung zu lesen, dass er in …

OB Wahlkampf – Kanzlerin Merkel in Stuttgart

Nach dem ersten Wahlgang der Oberbürgermeisterwahl, bei dem wie erwartet keiner der Bewerberinnen und Bewerber die erforderliche absolute Mehrheit erreichen konnte, ist es nun ein Zweikampf zwischen dem von der CDU unterstützten Unternehmer Sebastian Turner und dem Kandidaten der Grünen, dem Bundestagsabgeordneten Fritz Kuhn. Beide können mit der Unterstützung der Politikprominenz von Bund und Land rechnen. So trat am Freitag Kanzlerin Angela Merkel auf die Bühne vor dem Stuttgarter Rathaus, um bei den Bürgern für Sebastian Turner zu werben. Bei strömenden Regen hatten es der Kandidat Turner wie auch Kanzlerin Merkel recht schwer sich gegen die vielen Trillerpfeifen, Buhrufe und Pfiffe überhaupt Gehör zu verschaffen. Viele wollten ihre Botschaften auch gar nicht hören, sondern deutlich machen, dass sie angesichts der vielen offenen Baustellen in der Stadt und der durch Stuttgart 21 hervorgerufenen Zerrissenheit in der Bevölkerung einen Politikwechsel an der Spitze der Stadt wünschen. Auf dem Stuttgarter Marktplatz trugen die inzwischen bundesweit bekannten schwäbischen Protestbürger ihre Argumente laut, vielfältig und bunt vor –  und mit wenig Respekt vor der Prominenz aus Berlin und den politischen …