Alle Artikel mit dem Schlagwort: Stuttgart

Tour de France in Stuttgart

Heute rollt das Peloton der Tour de France zur Abschlussetappe wieder die Champs-Élysées entlang. Am Gesamtclassement der Grand Boucle wird sich wie immer auf der letzten Etappe nichts mehr ändern. Mit großem Vorsprung ausgestattet ist Christopher Froome der Sieg der diesjährigen Tour nicht mehr zu entreißen. 30 Jahre ist es nun her, als auch mich das Tourfieber gepackt hatte. Als im Jahr 1987 der umtriebige Journalist und Radsportveranstalter Winfried Holtmann aus Sindelfingen eine Touretappe nach Stuttgart holte, konnte ich mir das Tour de France-Spektakel direkt vor der Haustür anschauen – am Botnanger Sattel, wo die Rennfahrer die Kräherwaldstraße entlang brausten. Nachdem ich dort damals mit meiner kleinen Tochter eine ganze Weile auf die Tourkarawane gewartet hatte, war der Spaß auch rasch schon wieder vorbei, denn die Rennfahrer sind in weniger als einer Minute an uns vorbei gerauscht. So wie Tausende an den Straßen in Frankreich hat mich 1987 dieses Radsportereignis auch in Stuttgart in den Bann gezogen. Damals war der populäre Frankfurter Dietrich Thurau im Peloton dabei, und auch der junge Rolf Gölz aus Oberschwaben …

Von den Fildern zum Birkenkopf

Aus Stuttgart hinaus führen schöne Rennradtouren. Die besten davon kennt mein lieber Radsportfreund in- und auswendig. Heute konnte ich ihn wieder auf einer dieser Touren begleiten. Er nennt die heutige Strecke „Ostfildern Runde“, obwohl sie doch weitgehend auf Stuttgarter Markung verläuft. Wir starten in Möhringen, fahren Richtung Osten am SI-Centrum, dem Stuttgarter Zeitungsverlag und den US-Kasernen vorbei über die Felder nach Asemwald und von dort entlang der Straße nach Birkach. Noch bevor wir den Stadtteil Birkach richtig erreichen, sausen wir am Waldrand vor den Wohnsiedlungen schon steil hinab. Im Tal halten wir uns rechts und fahren auf geteertem Feldweg paralell zur Mittleren Filderstrasse – bis es rechts zum Schloß Hohenheim hinaufführt. Für uns geht es hier jedoch hinab zur Körsch. Dazu überqueren wir die Mittlere Filderstrasse an der Ampelanlage und folgen auf schönem Wirtschaftsweg dem Körschtal bis nach Scharnhausen. Hinter den Sportanlagen am Ende dieses Ostfildener Ortsteils geht es nun links steil hinauf, und – mit herrlichm Blick auf die Schwäbische Alb – über die Felder nach Nellingen. Nellingen ist unsere Wendemarke. Hier kehren wir …

Wandel mit Ge-NUSS

Heide von der Natur-und Umweltschutzgruppe NUSS des Deutschen Alpenvereins (DAV) in Stuttgart hat zur Frühjahrswanderung eingeladen – auf uralten Wegen aus dem Neckartal auf die Wangener Höhe. Schon im Herbst waren wir auf den Wandel und Wegen unterwegs, und auch jetzt ist es wieder ein Ge-NUSS, diesen alten Pfaden zu folgen. Überall gibt es etwas Neues zu entdecken, insbesondere wenn kompetente Leute die Gruppe begleiten und den einen oder anderen Hinweis geben. Dieses Mal war Wolf-Dietrich Paul dabei, der die Wege in-und auswendig kennt und sein Expertenwissen gerne teilt. Als ehemaliger Leiter des Umweltamtes der Stadt Stuttgart, war er massgeblich verantwortlich für die Wiederherstellung dieses historischen Wandel-Wegenetzes. Die Bezeichnung „Wandel“, erklärt er, habe nichts mit freudvollem „Lustwandeln“ zu tun, der Name stamme vermutlich von der Bezeichnung der Flurstücke – den Gewannen. Immer war es harte Arbeit, diese steilen Hanglagen zu bewirtschaften. Und auch die gemeinsame Aktion der Stadt Stuttgart, der Obst-und Gartenbauvereine und der privaten Gartenbesitzer, die verfallenen Pfade wieder in ein begehbares Wegenetzes zu verwandeln, stellte eine große Herausforderung dar. Dass dies gelungen ist, …

Träume – Grete Stern

Vor dem Gebäude eine lange Schlange gut gelaunter Menschen. Die Touristen stehen hier an, weil sie den phantastischen Blick vom Dach des Circulo de Bellas Artes mitten in Madrid suchen und lassen sich mit dem Fahrstuhl direkt hinauf auf die Dachterrasse mit Bar und Lounge bringen. Unter der Woche am Vormittag konnte ich ohne Schlangenstehen eintreten und ungestört den Blick weit über die Dächer der Stadt schweifen lassen und in Ruhe auch einen Blick in die aktuellen Ausstellungen de Circulo de Bellas Artes werfen, das für seine guten „esposiciones“ und „espectáculos“ bekannt ist. Bis zum 30. Januar 2016 kann man dort noch die Serie „Sueños“ (Träume) von der aus Deutschland stammenden und vom Bauhaus geprägten Fotografin Grete Stern bewundern. Die erste künstlerische Ausbildung erhielt Grete Stern von 1923 bis 1925 in der Kunstgewerbeschule Stuttgart. Danach ging sie für kurze Zeit zurück in ihre Heimatstadt Wuppertal, um schließlich ins damals wie heute künstlerisch boomende Berlin zu ziehen und sich dort von dem späteren Bauhauslehrer Walter Peterhans fotografisch schulen zu lassen. Bekannt wurde sie in der Weimarer …

Wandel und Wege im Herbst

Am Samstag traf sich eine kleine, bunt gemischte Schar naturverbundener Menschen des Deutschen Alpenvereins an der U-Bahnhaltestelle „Degen“ in Stuttgart-Wangen, um von dort hinauf zur Wangener Höhe zu wandern. In wenigen Minuten ist die Wohnbebauung zu Ende, und dann geht es gleich richtig steil hinauf. Schmale, oft kaum zu erkennende alte Wege („Wandel“) – von dichten Hecken und alten Sandstein-Trockenmauern gesäumt – führen Travertin gepflastert über moosbewachsene Staffeln durch die ehemaligen Weinberge. Nach Aufgabe des Weinbaus auf den wenig günstigen Nordhängen des Neckartals sind die einst so wichtigen Zugänge für die Weinbauern aus den Talorten im Laufe der Jahrzehnte zugewachsen und die begrenzenden und den Hang sichernden Mauern eingefallen. Damit drohte auch die Geschichte dieser uralten Kulturlandschaft in Vergessenheit zu geraten. Heute ist die Landschaft hier weitgehend in private Gartengrundstücke aufgeteilt, die nur noch wenig bewirtschaftet werden, teilweise verwildert sind oder ganz und gar auf Freizeitinteresse getrimmt sind. Unsere Begleiterin von der Umweltschutzgruppe der DAV Sektion Stuttgart erläuterte, wie das alte Wandel-Wegenetz in den letzten Jahren im Rahmen eines Landschaftsschutzprogramms der Stadt und Region Stuttgart …

Jein zu Radwegen?

Auch wenn in den Städten auf kürzeren Entfernungen das Fahrrad nachweislich das beste und schnellste Verkehrsmittel ist, kann das Radfahren in der Stadt vielerorts immer noch ein großes Abenteuer sein – besonders auch in Stuttgart. Zwar hat sich in den letzten Jahren auch hier Einiges getan, wie die Stadt Stuttgart auf ihrer Homepage stolz berichtet, aber das Fahrrad hat in der Autostadt Stuttgart noch lange nicht den Stellenwert, den es als eines der überzeugendsten Verkehrsmittel für die Stadt auch hier haben müsste. Ob der Ausbau von Radwegen der richtige Weg zur Förderung des Radverkehrs ist, darüber wird recht kontrovers diskutiert. Die Positionen reichen von der strikten Verbannung des Radverkehrs auf Radwege bis zu der Haltung vieler Fahrradaktivisten, Radwege grundsätzlich zu meiden. Rechtlich wurde die Pflicht zur Nutzung von Radwegen in den letzten Jahren auch weiter gelockert. Ein kleines Video, auf dem ein selbstbewusster Radler sogar die vom Autoverkehr beherrschte „Stadtautobahn“ Hauptstätter Straße mit dem Fahrrad nutzt, hat mich anfangs irritiert, dann aber auch angeregt, meine bisherige Haltung pro Radwege zu überdenken. Egal, ob ich auf …

Fahr Rad in der Stadt – Critical Mass Stuttgart

Es ist schon ein komisches Gefühl mit dem Fahrrad auf den Stuttgarter Stadtautobahnen entlang zu fahren. – Was unter „normalen“ Umständen lebensgefährlich wäre, macht bei der Critical Mass Stuttgart – der Demonstrationen für eine fahrradfreundliche und damit lebensfreundlichere Stadt – richtig Spaß. Wie jeden ersten Freitag im Monat fanden sich auch gestern Abend – trotz des Hitzerekords – einige Hundert Fahrradfreunde am Feuersee ein, um mit Gleichgesinnten für das Radfahren in der Stadt zu werben. Schon beim Start am Feuersee herrschte eine recht lockere Stimmung. Man bestaunt Fahrräder aller Art, hält hier und da noch einen kleinen Plausch und stimmt sich mit dem eintreffenden bunten Völkchen der Radenthusiasten auf die Fahrt durch die Stuttgarter City ein. – Schön, dass auch einer meiner Rennradsportkameraden den Weg in die Stadt fand, und wir uns gemeinsam unter die Raddemonstranten mischen konnten. Vor dem Start geben die Organisatoren über Lautsprecher noch ein paar hilfreiche Hinweise zur Fahrweise und zur eigenen Verantwortung der TeilnehmerInnen bei der Demo. Zusätzlich begleiten freundliche Polizisten auf Motorrädern, unterstützt von eigens abgestellten Ordnern (sog. „Corker“) …

Kolpingchor im Museum

Ein guter Freund singt seit einigen Jahren im Kolpingchor Stuttgart – ein Männerchor mit langer Tradition und großem Repertoire, das von Opernchören, über traditionelles, anspruchsvolles Chorliedgut – bekannten und weniger bekannten Stücken, alten und modernen Schlagern bis hin zu Gospelliedern reicht. Chorkonzerte finden im Stuttgarter Kolpinghaus, in der Liederhalle und zuletzt im Naturkundemuseum Stuttgart statt. Die Wahl des Museums als Konzerthaus beweist, dass der Chor immer wieder mit außergewöhnlichen Darbietungen zu überraschen weiß. Nun lud der Chor nicht nur zum Konzert und zum Rundgang in das Naturkundemuseum ein, sondern zum „Panoptikum Curiosum“ und bot tatsächlich wie angekündigt „ein Kaleidoskop musikalischer Skurrilitäten“. Begonnen hat die Veranstaltung recht traditionell im Vortragssaal des Museums am Löwentor, wo ein „Custos“ das Publikum sprachgewaltig begrüßte und humorvoll ins Programm einführte. Unter der starken musikalischen Leitung von Annette Glunk begann nun temperamentvoll der ungewöhnliche Liedvortrag. Mit kleinen Wortbeiträgen und – spielereien zwischen den Liedern trug der Custos zur Unterhaltung bei und führte schließlich die zahlreichen Gäste hinaus ins Foyer, wo zunächst Brezeln, Bier und Wein, und später weitere Leckereien angeboten wurden. …