Alle Artikel mit dem Schlagwort: Valparaiso

Bibliotheken – mehr als Bücher

Das wunderschöne alte Gebäude am Plaza Simón Bolíva, ganz zentral gelegen in der Weltkulturerbe Stadt Valparaíso/Chile, beherbigt die Stadtbücherei Santiago Severin. Eine Bücherei, die Geschichte atmet, sich aber heute als moderne aufgeschlossene Kultureinrichtung zeigt. Neben dem umfassenden Buch- und Zeitschriftenbestand und den Computerarbeitsplätzen wird den Porteños, wie sich die Leute der alten chilenischen Hafenstadt nennen, hier mit Lesungen, Konzerten und Ausstellungene ein breites kulturelles Angebot bereit gestellt. Da trifft genau das zu, was in einer Werbekampagne als Botschaft vermittelt wird: „Bibliotheken sind mehr als Bücher“ Ich habe sehr gerne den Leseraum genutzt, um hier in Ruhe zu schmökern und Spanisch zu lernen. Vermisst habe ich nur ein Bistro oder Café im Haus. Um einen Kaffee zu trinken muss man das Bibliotheksgebäude verlassen und direkt an der Straßenecke gegenüber im gemütlichen „Puro Café“ einkehren. Manchmal blieb ich dort hängen, habe die Leute betrachtet und studiert und dabei die Rückkehr in den Lesesaal vergessen. Nun gut, ich bin ja schliesslich hier, um Land und Leute kennen zu lernen und das nicht nur über Bücher.

Hostal Marisol – Zuhause in Chile

Für die Dauer meines Chile-Aufenthalts von etwa 2 Monaten wollte ich sehr gerne in einer Familie wohnen, um mehr von der Alltagskultur des Landes mitzubekommen, und auch um täglich Spanisch zu üben. Nun habe ich mit der Familie Salinas in Valparaíso, die mir die Agentur ChileInside vermittelte, ausgesprochenes Glück. Vom ersten Tag an wurde ich herzlich willkommen geheißen , und alle geben mir hier das Gefühl, dass ich ganz selbstverständlich zur Familie gehöre, obwohl ich als Rentner hier schon eine Ausnahme bin. Eigentlich betreibt die Familie ein Hostal, das aber nicht anonym als Gästehaus geführt wird, sondern wie eine Großfamilie in einem Mehrgenerationenhaus. Außer den Gastgebern, Marisol und ihrem Mann Mario wohnen noch die erwachsene Tochter und der studierende Sohn sowie die Großmutter im Haus, Ach ja,  zwei ruhige Katzen und der kleine verspielte junge Hund gehören auch noch dazu. Dann kommen als weitere Mitbewohner derzeit noch 8 StudentenInnen hinzu, die in den zwei geräumigen Gebäuden bequem Platz finden. In den Semesterferien waren nur die 3 amerikanischen Austauschstudentinnen da, während die Chilenen bei ihren Eltern …

Container-Hotel

Als ich das erste Mal in der wilden Natur der Westfjorde auf Island eine Hotelanlage aus Containern sah, war ich etwas irritiert, wenn nicht gar schockiert. Wie kann man diese Allerweltstransportkisten nur in diese phantastische Landschaft stellen? Es war eine lieblose Aneinanderreihung von weißen Baucontainern – ohne besondere gestalterische Elemente, rein funktional in die Landschaft platziert. Bei weiterer Überlegung fand ich diese Idee gar nicht schlecht und nach der intensiveren Beschäftigung mit Containerbauten – einem weltweiten Trend innovativer Architekten und Bauherren – fasziniert mich die Idee, die industriell gefertigten, weltweit eingesetzten, stabilen und genormten Container für (Wohn-)bauten zu nutzen. Während meines Aufenthalts in Valparaíso/Chile entdecke ich hier auf dem Cerro Mariposa gleich in der Nachbarschaft nun ein solches Containerhotel-Bauprojekt. Mein erster Eindruck ist recht positiv. Hier, wo der Containerhafen die Stadt mit prägt, ist dieses Projekr hier wohl doch am richtigen Platz. Zudem wird diese Region öfters von Erdbeben heimgesucht. Auch aus diesem Grund machen stabile Container als Bauelemente Sinn. Ein aus Neuseeland stammender und in Chile recht erfolgreicher Weinbauer hat die Idee mit dem …

Pablo Neruda – Casas y Cosas

„La Sebastiana“ hoch oben auf dem Cerro Bellavista in Valparaíso, „La Isla Negra“- das Haus am Meer, und „La Chascona“ – sein Domizil in der Hauptstadt Santiago de Chile, -die Privathäuser oder besser Anwesen Pablo Nerudas sind heute Museen und für die Öffentlichkeit zugänglich. Die von der Stiftung Pablo Neruda verwalteten Museen sind beliebte Touristenziele, nicht nur für Literaturliebhaber. Es sind weniger die vor allem in „La Chascona“ ausgestellten Exponate vom literarischen Schaffen des Nobelpreisträgers, die den Reiz eines Besuchs ausmachen, als vielmehr die Gestaltung und Einrichtung der Häuser als Gesamtkunstwerke. Alle Räume sind sehr individuell konstruiert, ja in gewisser Weise geradezu komponiert und mit feinen, seltenen Sammlerstücken aus der ganzen Welt bestückt. Spuren seines Lebens, von der Kindheit und Jugend auf dem Land, von seinen Auslandsstationen im diplomatischen Dienst Chiles, den Freundschaften mit Künstlern aus aller Welt und den Beziehungen zu seinen Frauen. Die ganze Persönlichkeit des Poeten kommt in diesen Räumen zum Ausdruck – verspielt, und das Kind im Manne bewahrt bis ins Alter. Dann die phantastischen Lagen der Anwesen: „La Sebastiana“ – …

Bürger beteiligen – ganz einfach!

Auf dem zentralen Plaza Victoria in Valparaiso/Chile steht ein Stand mit Sonnendach – darunter auf einem großen Tisch ein aus Wellpappe geformtes, maßstabsgetreues Stadtmodell von Valparaiso – Pladeco Valparaiso 2016 – 2012 Was Pladeco ist, wird auch gleich auf einem Plakat erklärt. Es geht um den Stadtenwicklungsplan für die nächsten 8 Jahre. Mit dieser Aktion sollen die Bürger, und vor allem auch Studenten und junge Leute die Gelegenheit bekommen, die Probleme in ihrer Stadt zu benennen und ihre Meinungen und Träume zur Stadtenwicklung zum Ausdruck  bringen. Es liegen farbige kleine Markierungsstreifen, Stifte und Stecknadeln bereit. Die Farben stehen für 6 verschieden Themenbereiche: (Öffentlicher)Nahverkehr, Stadtentwicklung. Umwelt, Sicherheit, Infrastruktur und öffentlicher Raum, Sport, Kultur und Weltkulturerbe, Dienstleistungen. Das Thema, das angegangen werden soll, kann auf dem  Merkierungsstreifen noch stichwortartig mit einer Frage, dem Prroblem konkretisiert werden, um es dann genau dort auf dem Stadtmodell anzupinnen, wo das Problem lokalisiert wird. An einem separaten Tisch Blätter zum Erläutern oder Ergänzen der Meinungen oder Anregungen. In der kurzen Zeit meiner Anwesenheit registriere ich, dass sich die Leute gerne einbringen …

Valparaiso heute?

Valparaiso heute, so der Titel der aktuellen Fotoausstellung mit 60 Farbaufnahmen des chilenischen Fotografen Aref Cosma in großzügigen Räumlichkeiten der Nachbarstadt Viña del Mar. Die Bilder zeigen die Verbundenheit des Fotografen mit dieser Stadt, den Stolz auf die Tradition, die heute noch überall sichtbar wird. Auch die Aufgeschlossenehit gegenüber neuen Tendenzen werden sichtbar, etwa in den für Valparaiso heute so typischen bunten Wandmalerien und bizarren Graffiti. Die Machart der Aufnahmen sind eher noch durch klassische Aufnahmetechniken geprägt, fotografiert und bearbeit wurden sie aber mit digitaler Zechnik. Aref Cosmas sehr schöne Bilder sind eine Hommage an diese Stadt und könnten uneingeschränkt vom Tourismusbüro für Werbezwecke eingesetzt werden. Auf den ersten Blick erfreuen mich die Aufnahmen sehr. Am Ende bleibt aber eine gewisse Irritation zurück. Ich bin nun schon einen Monat hier und sehe auch: den Schmutz und Lärm des quirligen Zentrums, die halb zerstörten und auch leerstehenden Gebäude, die streuenden Hunde und deren Hinterlassenschaften, die bunte Vielfalt der Läden und Straßenverkäufer, die unzähligen Bars, Cafés und Restaurants, die teils offenen Werkstätten, die maroden Gehwege und Treppen, …

Die Dichterin der Armen

Bei meinem Freiwilligendienst mit Obdachlosen in Valparaiso/Chile habe ich dieses Buch über die Menschen am Rande der Gesellschaft entdeckt, das mich sehr fasziniert: „Rostros con Rastro“ (Gesichter mit Spuren), Edition La Matriz Es enthält Fotografien, Gedichte und Hintergrundtexte über die Ärmsten im alten Hafenviertel. Im Zenrum des Barrio Puerto betreibt die katholische Kirchengemeinde La Matriz seit Jahrzehnten die Anlaufstelle und Suppenküche Comedor 421. Die Schwarz/Weiß-Fotografien des professionellen Fotografen Andrés Nicolini sind für sich schon sehr stark. Das harte Leben auf der Straße hat deutliche Spuren in den markanten Gesichtern hinterlassen und Andrés Nicolini gelingt es eindrucksvoll, mit seinen Bildern die Gesichter zum Sprechen zu bringen. Sie erzählen vom Leben im Schatten, von Armut, Hunger, Schmerz und Einsamkeit. Noch mehr haben mich aber die ergänzenden kleinen Verse berührt. Auch wenn mir manch sprachliche Feinheit der spanischen Gedichte (noch) verschlossen bleibt. Die Melodie der Verse und die einfühlsamen Worte haben mich sofort gefangen genommen. Was ist das wohl für eine Frau, die dies schreibt? Mariposa Mariposa, mariposa regáleme destellos de colores para pintar tu lindo pelo Y …

Spanischkurs in Valparaiso

Begleitend zur Freiwilligenarbeit mit Obdachlosen in Valparaiso/Chile habe ich in den ersten zwei Wochen einen Intensivkurs in der Sprachschule von Nataliscap besucht, um meine Kenntnisse aufzufrischen und zu erweitern. Die Sprachschule verfügt nahe des Hafens am Plaza Sotomayor über mehrere Kursräume. Sie bietet Kleingruppen- und Einzelunterricht an und stellt den Kursteilnehmern ein eigenes Lehrbuch, ein Übungsbuch sowie einen Kärtchenblock zum Konjugationstraining zur Verfügung. Carla, die sympathische junge Lehrerin, gab hilfreiche Tipps zur Vermeidung typischer Stolpersteine im Spanischen, trainierte die grammatikalischen Lücken und vermittelte spielerisch und humorvoll einige kulturelle und sprachliche Besonderheiten in Chile. Mir hat besonders gut gefallen, wie gut sie auf Fragen und Fehler einging. Auch die grammatikalischen Themen hat Carla sehr systematisch und prägnant behandelt, so das es nie langweilig wurde. Trotz aller Anstrengung war der Unterricht für mich recht kurzweilig und hat mir immer viel Spaß gemacht.